Rhuthmos

TRADUCTOLOGIE – Appel à contributions – Henri Meschonnics Rhythmuskonzept in Übersetzung und Übersetzungsforschung – Stiftung Universität Hildesheim – 2.-4. Oktober 2019

Article publié le 2 janvier 2019

Pour citer cet article : Rhuthmos , « TRADUCTOLOGIE – Appel à contributions – Henri Meschonnics Rhythmuskonzept in Übersetzung und Übersetzungsforschung – Stiftung Universität Hildesheim – 2.-4. Oktober 2019  », Rhuthmos, 2 janvier 2019 [en ligne]. http://rhuthmos.eu/spip.php?article2334
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Henri Meschonnics Rhythmuskonzept

in Übersetzung und Übersetzungsforschung


Vom 2. bis zum 4. Oktober 2019

an der Stiftung Universität Hildesheim


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Beschreibung : Wie wenige andere vor und nach ihm hat der französische Dichter, Sprachtheoretiker und Übersetzer Henri Meschonnic eine ‚Sprachreflexion der Übergänge‘ propagiert. Diese Formulie-rung ist nicht zufällig gewählt, kondensiert sich in ihr doch Meschonnics radikales Credo von der untrennbaren Verwobenheit von Sprachtheorie und sprachlichem Handeln, geschriebener und gesprochener Sprache, Alltags- und poetischem Idiom. Meschonnic zufolge gilt es, das seinerzeit moderne sprachwissenschaftliche Denken in Dichotomien zu überwinden und die Sprache vom Seziertisch des Strukturalismus zu holen. Stattdessen soll die lebendige Sprache des Subjekts bzw. das Subjekt-in-Sprache in den Vordergrund gerückt werden.


In den Schriften geistesverwandter Vorgänger, etwa in Émile Benvenistes Aufsatzsammlung Probleme der allgemeinen Sprachwissenschaft (insbesondere den Ausführungen zum Subjekt und zum Sprachrhythmus) und im sprachphilosophischen Œuvre von Wilhelm von Humboldt, fand der belesene Autor innovationsträchtige Impulse, mit denen die strukturalistische Sprachsemiotik à la Saussure überwunden werden sollte. Das Wesen der Sprache bestehe demnach nicht in der Systemhaftigkeit hermetisch abgeschotteter Strukturen, die im Sprachsystem eine bestimmte Position, einen bestimmten Wert einnehmen. Sätze und Texte seien nicht die bloß lineare Verkettung diskreter Zeichen. Sprache sei vielmehr – wie bereits Humboldt unterstrichen hat – Vollzug, eine Tätigkeit (energeia), und zwar eine solche, die alle Eventualitäten des Moments berücksichtigt : die Subjekte der Kommunikation, die Situation, die zahlreichen Bezüge im Text und über diesen hinaus. Wenn jeder Text eine eigene, je neue Aktualisierung erfährt, wenn sich sein Sinn in seiner Performanz, d. h. in seinem Rhythmus manifestiert, so hat dies weitreichende Konsequenzen für den Übersetzungsprozess. Translation ist dann nicht die Erstellung eines Zieltextes, der in einer statischen und immergültigen Äquivalenzbeziehung zum Original steht, sondern eine stets neue und auch immer von Neuem auf den Ausgangstext zu beziehende Tätigkeit. Insofern ist Übersetzung immer auch Kokreation, die ihren Urheber, statt ihn als ‚invisible translator‘ (Venuti) zu beschwichtigen, vielmehr als historisches Wesen sichtbar werden und in Erscheinung treten lässt.


Meschonnic hat ein breites Werk hinterlassen : Zu nennen sind etwa die sechs Bände mit dem Titel Pour la poétique, vier z. T. ausladende Monographien zum Rhythmus und dessen Bedeutung für das Übersetzen : Critique du rythme (1982), Politique du rythme. Politique du sujet (1995), Poétique du traduire (1999), Éthique et politique du traduire (2007). Das umfangreiche Œuvre, aus dem hier nur eine sehr kleine Auswahl genannt worden ist, hat im deutschsprachigen Raum bislang aber nur wenig Beachtung gefunden.


Anlässlich von Meschonnics 10. Todesjahr soll in Form einer internationalen Tagung eine erste Bestandsaufnahme der Rezeption seiner Theoreme in der Übersetzungswissenschaft unternom-men werden. Insbesondere soll Meschonnics sehr komplexer Konzeption des Rhythmus, seinen Bedingungen und Konsequenzen für den Übersetzungsprozess nachgegangen werden. Denn Sprachtätigkeit im Fluss lässt sich nach Meschonnic an (Neu-)Übersetzungen vorzüglich nachweisen.


Wir laden Wissenschaftler*innen aus dem In- und Ausland zur Einsendung von Vortragsvorschlä-gen insbesondere zu folgenden Fragestellungen ein :


▪ Was zeichnet das Rhythmuskonzept Henri Meschonnics aus ? Inwiefern unterscheidet es sich von anderen Rhythmustheorien ?

▪ Was übernimmt Meschonnic von seinen Quellen ? Und wie bringt er den Diskurs um Rhyth-mus, Sprache und Translation weiter ?

▪ Welche Übersetzungen berücksichtigen Meschonnics Theoreme zum Rhythmus und wie wirken sie sich auf den Zieltext aus ? Wie beeinflussen sie das Handeln der Übersetzer*innen ?

▪ Welche Rolle wird Rhythmus in verschiedenen (Formen der) Übersetzung(en) eingeräumt ?

▪ Wie ließe sich der Rhythmus im Sinne Meschonnics nicht nur als Gestaltungselement literarischer Übersetzungen, sondern auch anderer Formen von Translation, etwa dem Fachübersetzen, dem Dolmetschen, der audiovisuellen Übersetzung etc. beschreiben ?

▪ Welche Anknüpfungspunkte bieten Meschonnics Theoreme zum Rhythmus der aktuellen Translationswissenschaft ?


Organisatorisches : Die Tagung findet vom 2. bis zum 4. Oktober 2019 an der Stiftung Universität Hildesheim statt. Tagungssprachen sind Deutsch, Englisch und Französisch. In Rahmen der Tagung werden auch einige Übersetzer*innen von Meschonnics (theoretischen) Schriften zu Wort kommen und von Ihren Erfahrungen berichten.


Wir bitten alle Interessenten um die Zusendung originaler Vorschläge für einen 25-minütigen Vortrag (zzgl. 15 Min. Diskussionszeit). Vortragstitel, Abstract (etwa 1500–2000 Zeichen inkl. Leerzeichen und Bibliographie) sowie eine Kurzbiographie mit Nennung der gegenwärtigen Affiliation schicken Sie im Word-Format an agnetta@uni-hildesheim.de. Die Frist zur Beitrags-einreichung ist der 01.06.2019. Über die Annahme werden Sie bis zum 30.06.2019 informiert. Die Teilnahme an der Tagung ist kostenlos. Die Übernahme von Reise- und Übernachtungskosten wird angestrebt, kann zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht zugesagt werden.


Weitere Informationen finden Sie unter www.uni-hildesheim.de/rhythmus-und-.... Bei Fragen wenden Sie sich bitte an agnetta@uni-hildesheim.de oder maelzers@uni-hildesheim.de.


Nathalie Mälzer und Marco Agnetta

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